07. Februar 2012
 

Familie

Wenn die Eltern altern ...

... stellen sich die Kinder oft einer heiklen Aufgabe: Sie pflegen und betreuen – nebenberuflich

Die eigene Mutter – plötzlich ein Pflegefall: Vor allem Frauen springen dann von heute auf morgen in die Bresche. Foto: fotolia

Mit Kollegen darüber scherzen, was sich zwischen Brei und Lätzchen alles so tut? Kein Problem, solange es um schnuckeligen Nachwuchs geht. Sind es aber die eigenen Eltern, die gefüttert werden müssen, verschlägt es vielen die Sprache. Dabei ist es höchste Zeit, über dieses Thema offen zu reden – auch in den Betrieben.

Mit Kollegen darüber scherzen, was sich zwischen Brei und Lätzchen alles so tut? Kein Problem, solange es um schnuckeligen Nachwuchs geht. Sind es aber die eigenen Eltern, die gefüttert werden müssen, verschlägt es vielen die Sprache. Dabei ist es höchste Zeit, über dieses Thema offen zu reden. Die demografische Entwicklung zwingt uns dazu.

Schon heute werden von den rund 2,4 Millionen Pflegebedürftigen mehr als eine Million allein von ihren Angehörigen gepflegt.

„Da rollt eine Welle auf uns zu“

Die offizielle Statistik erfasst nur Pflegefälle, die der engen Definition des Sozialgesetzbuches genügen. Daneben gibt es etwa drei Millionen „hauswirtschaftlich Hilfebedürftige“: Ihnen steht beim Einkaufen, Saubermachen & Co. ebenfalls oft der eigene Nachwuchs zur Seite.

So betreuen vielfach Menschen, die mitten im Berufsleben stehen, ihre Altvorderen: „Bereits jeder zehnte deutsche Angestellte pflegt einen Angehörigen“, behauptete kürzlich die „Wirtschaftswoche“.
Und die betroffenen Arbeitnehmer werden mehr – weil unsere Bevölkerung altert und schrumpft. „Weniger Erwerbstätige werden sich um mehr Pflegebedürftige kümmern müssen: Da rollt eine riesige Welle auf die deutsche Industrie zu“, warnt Christiane Flüter-Hoffmann, Expertin für Personalpolitik im Institut der deutschen Wirtschaft Köln (IW).


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Was tun? Der Welle mit einem Gesetz begegnen? Letzte Woche schlug Familienministerin Kristina Schröder vor: Jeder Arbeitnehmer soll, wenn er nahe Verwandte pflegt, zwei Jahre halb arbeiten dürfen. Aber drei Viertel verdienen – und diesen Vorschuss des Betriebs später abstottern.

Doch das weckt Widerstand. Die Arbeitgeber zahlen am Ende drauf, so fürchtet Mario Ohoven, Chef des Bundesverbands mittelständische Wirtschaft. Zudem könnten „gerade Kleinbetriebe den teilweisen Ausfall von Fachkräften nicht gut ausgleichen“. Arbeitgeberpräsident Dieter Hundt betont: „Statt auf gesetzliche Regulierung setzt die Wirtschaft auf flexible Arbeitszeitmodelle.“

„Engagement rechnet sich“

Die gibt es schon. IW-Expertin Flüter-Hoffmann kennt viele Firmen, die das Thema auf dem Schirm haben. Meist sind es allerdings größere Betriebe, die ihren nebenbei pflegenden Mitarbeitern mit Rat und Tat zur Seite stehen.

Aus gutem Grund: „Es besteht die Gefahr, dass der Krankenstand steigt, dass die Produktivität sinkt, dass qualifizierte Leute sogar kündigen, wenn eine Firma das Problem ignoriert und sich Mitarbeiter nicht trauen, es offen anzusprechen.“

Flexible Arbeitszeiten sowie Information und Beratung seien das A & O, so die Expertin. „Das können auch kleine Firmen bieten.  Und Investitionen in diesem Bereich zahlen sich rasch aus.“

Thomas Hofinger

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