17. Mai 2012
 

Tipp der Woche

Früher raus?

Altersteilzeit: Was noch geht, hängt von der Branche ab

Der politische Schlagabtausch über das „Ende der Altersteilzeit“ ist inzwischen weitgehend vorbei. Was im medialen Wirbel oft untergegangen ist: Die Altersteilzeit gibt es nach wie vor! Und sie wird sogar nach wie vor staatlich subventioniert – wenn auch nicht mehr so kräftig wie früher.

Rücksicht auf Schichtarbeiter

In Deutschlands größtem Industriezweig Metall und Elektro (M+E) können Altersteilzeitler nach Angabe von Gesamtmetall im Durchschnitt mit stolzen 87 Prozent ihres bisherigen Nettos rechnen. Das nötige Geld wird tariflich gegenfinanziert: Die Arbeitgeber und die Beschäftigten teilen sich die Extra-Kosten, die für einige ältere Kollegen fällig werden.

Besondere Rücksicht nehmen die Metaller auf Nacht- und Wechselschichtarbeiter sowie auf Menschen, die Jobs „unter besonders starken Umwelteinflüssen“ verrichten: Ist so jemand mindestens 57 Jahre alt und mindestens seit 12 Jahren im Betrieb, hat er einen vorrangigen Anspruch auf Altersteilzeit.

Alle anderen M+E-Beschäftigten müssen einerseits mindestens 61 Jahre alt sein und andererseits nach maximal vierjähriger Altersteilzeit sofort Anspruch auf eine ungekürzte Altersrente haben. Das heißt: Für sie verschiebt sich ab 2012 der Termin für einen früheren Ausstieg Jahr um Jahr etwas nach hinten – wegen der schrittweisen Einführung der Rente mit 67.

Wichtig: Diese M+E-Regeln gelten nicht unbedingt in jedem Betrieb. Jedes einzelne Unternehmen kann für sich die Altersteilzeit generell ausschließen.

Thomas Hofinger


Info: Steuerfalle

Der Aufstockungsbetrag für Altersteilzeitler wird zwar ohne Abzüge ausgezahlt – er ist aber nicht ganz so „steuerfrei“, wie dieses Wort es vermuten ließe. Denn hier greift, wie zum Beispiel auch beim Kurzarbeitergeld, der sogenannte Progressionsvorbehalt: Das heißt, dass das normale Einkommen im Nachhinein einem etwas höheren Steuersatz unterworfen wird. In der Praxis wird daher oft im Folgejahr eine Steuernachzahlung fällig.

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