29. Juli 2010
 

Autobahn

Wann kommt die Pkw-Maut?

Teure Engpässe auf unseren Straßen

Lebensader Autobahn: Mehr als 70 Prozent der Güter und 90 Prozent des Personenverkehrs fließen über die Straße. Fotos: fotolia (2), Urban (3)

Marode Autobahnbrücken. Schlaglochpisten. Staus in ganz Deutschland, die innerhalb eines Jahres rechnerisch eine Länge von der Erde bis zum Mond erreichen. Den vielerorts schleichenden Verfall der Autobahnen will Verkehrsminister Peter Ramsauer stoppen. Dafür braucht er Geld.

Berlin/München. Wilhelmstraße 67 in Berlin: Im Bundesfinanzministerium, einem klotzigen Bau aus den 30er-Jahren, darf sich Wolfgang Schäuble immer am frühen Nachmittag über 19 Millionen Euro freuen. Dann trifft die werktägliche Überweisung der Lkw-Maut ein – aus dem Münchner Rechenzentrum der Firma Toll Collect.

Vielleicht hat der Finanzminister bald noch mehr Grund zur Freude. Er denkt darüber nach, Wegegeld auch für Pkws zu kassieren.
Vom bisherigen Geldsegen gibt Schäuble seinem für Verkehr zuständigen Kollegen Peter Ramsauer nichts ab. Die 4,5 Milliarden Euro im Jahr durch die Lkws verschwinden im großen Topf.

Zwar fließt ein Teil offiziell zurück, in den Ausbau und Erhalt der 26000 Autobahnkilometer. „In Wahrheit aber ersetzt die Maut nur andere Haushaltsmittel“, so Jürgen Berlitz, Experte für Straßenbau beim ADAC. Trotz wachsender Maut-Erträge macht der Bund immer weniger Geld für die Autobahnen locker.

Die Fakten:

  • Nur den jüngsten Konjunkturprogrammen ist es zu verdanken, dass 2009 und 2010 in die Autobahnen und Bundesstraßen jeweils knapp 6 Milliarden Euro fließen – das ist immerhin 1 Milliarde mehr als noch 2008.
  • Laut ADAC ist das aber noch immer 1 Milliarde Euro zu wenig, um „den Substanzverzehr im Autobahnnetz“ aufzuhalten. Wegen dieser  Knausrigkeit geraten Autofahrer und Wirtschaft aus der Spur.
  • Bei 375.000 Kilometern Stau im Jahr schmoren Berufs- und Privatfahrer mehr als 230.000 Stunden wartend hinter dem Lenkrad.
  • Auf 1,35 Milliarden Euro schätzt die Bundesanstalt für Straßenwesen den volkswirtschaftlichen Schaden. „Und wenn die Konjunktur in diesem Jahr wieder Gas gibt, wird sich das Problem verschärfen“, warnt ADAC-Mann Berlitz.

Bisher erfasst: 642.000 Brummis

Die Raststätte Avus an der A115 im Norden Berlins: Routiniert hangeln sich die russischen Lkw-Fahrer Igor und Sergej durch das Menü eines Mautstellen-Terminals. „Wir müssen nach Hamburg“, sagt Igor. Für 240 Kilometer Strecke sind 40 Euro fällig.


Bilder-Galerie (4 Bilder)

Das Ding sieht aus wie ein Geldautomat. Sergej schiebt seine Kreditkarte in den Schlitz, bestätigt die Buchung, erhält das Ticket und die Quittung. Etwa ein Zehntel der 4,5 Milliarden Euro kassiert Toll Collect über diese Terminals.

Das große Geld aber bringen die „On-Board-Units“, die nach Firmenangaben mittlerweile in 642.000 in- und ausländischen Brummis installiert sind.
Dafür, dass diese GPS-gestützten Geräte jederzeit kilometergenau abrechnen, sorgen eine Handvoll eigens geschulter Messfahrer. Einer von ihnen ist Rainer Ennigkeit.

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