05. Februar 2012
 

Mittelstand

Hand in Hand

Die Nachfolge-Frage stellt sich früher oder später in jedem Familienunternehmen

Der eine übernimmt, der andere lässt los – so funktioniert das im Staffellauf. Aber wenn es nicht nur um einen Holz- oder Metallstab geht, sondern um ein Familienunternehmen, dann wird es schwieriger. Allein in Bayern gehen jährlich rund 7.000 Arbeitsplätze verloren, weil die Übergabe auf den Junior-Chef zu spät oder zu schlecht vorbereitet wurde.

„Eine wichtige Entscheidung“

Was beim Wechsel zur nächsten Generation vor allem beachtet werden muss, erläutert Tom Rüsen. Er ist an der Universität Witten/Herdecke geschäftsführender Direktor des Instituts für Familienunternehmen.

AKTIV: Wie gelingt ein erfolgreicher Generationenwechsel?
Rüsen: Der Senior muss sich frühzeitig Gedanken über seine Nachfolge machen. Es dauert rund 10 bis 15 Jahre, die Frage abschließend zu regeln.

AKTIV: Warum so lange?
Rüsen: Es ist eine der wichtigsten Entscheidungen. Das Besondere an Familienunternehmern ist ja, dass sie immer zugleich Mitglied in der Familie und in der Firma sind. Da können Zielkonflikte entstehen, die schier unlösbar sind.


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AKTIV: Zum Beispiel?
Rüsen: Meist wünschen sich die Unternehmer die eigenen Kinder als Nachfolger. Der Senior muss sein Lebenswerk loslassen und in andere Hände geben. Zugleich erkennt er möglicherweise, dass seine Kinder dafür nicht geeignet sind.

AKTIV: Was bedeutet ein Wechsel für die Mitarbeiter?
Rüsen: Die Weichen werden neu gestellt. Da müssen die Beschäftigten die Chance bekommen, sich vom alten Firmenleiter zu lösen und sich auf den neuen einzulassen. Und sie sollten in den Prozess des Wechsels einbezogen werden.

AKTIV: Warum ist eine gute Vorbereitung so wichtig?
Rüsen: Der überwiegende Anteil der Insolvenzen von Familienunternehmen geht auf eine schlecht geplante Nachfolge zurück. Das gefährdet Arbeitsplätze.

miz

 

Info: Mittelstand-Studie

In Bayern gibt es 350.000 Familienunternehmen. Die Frage der Nachfolge stellt sich eines Tages in jedem dieser Betriebe. Im Auftrag des bayerischen Wirtschaftsministeriums hat das Ins­titut für Mittelstandsforschung in Bonn dazu eine Hochrechnung erstellt.

Die Experten befragten 934 Unternehmen im Freistaat zu ihren Plänen für eine Übergabe zwischen 2006 und 2010 – und rechneten die Ergebnisse auf die Gesamtheit hoch. Demnach steht in 63.000 Firmen mit insgesamt 498.000 Mitarbeitern ein Wechsel an der Spitze an. Knapp die Hälfte von ihnen bleibt in Familienhand.

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