Preisverfall
Was kost' denn hier 'ne Kiste Bier?
Der Typ ist TV-Kult: Immer sonntagabends quasselt sich „Dittsche“ alias Olli Dittrich als schräger Frittenbuden-Philosoph quer durch die Ereignisse der Woche. Treibstoff für Dittsches wirres Hirn: knapp 3 Pullen Bier pro Sendung. Vielleicht hat sich Dittsche ja eine seiner skurrilen „Welt-Ideen“ in den Schädel gesetzt: Allein gegen die ewige Ebbe auf dem Biermarkt anzupicheln. Seit Jahren nämlich vergeht den Deutschen zunehmend die Lust aufs kühle Blonde. Dabei wird Bier gerade immer billiger.
In Bierlaune Brauerei gegründet
„Die Stärke von Oettinger ist vor allem eine Schwäche der anderen“, sagt Rudolf Böhlke, Experte bei der Beraterfirma Ernst & Young in Stuttgart. Die Premium-Marken seien sich unter dem Druck des schrumpfenden Biermarkts immer ähnlicher geworden. „Und wenn Marken nicht mehr unterscheidbar sind, gewinnt die Billigste. Bier wird immer seltener als etwas Wertvolles vermarktet.“
Vielleicht muss man ja genau das einfach wieder tun.
In Dortmund zumindest geschieht seit ein paar Jahren genau das. In einer, haha, Bierlaune gründete der Biologe Thomas Raphael dort 2006 die Brauerei „Bergmann Bier“. „Wir wollten ein gutes, handwerklich gebrautes Bier oberhalb des Premiumsegments anbieten. Und die Tradition Dortmunder Biere wiederbeleben“, erklärt Raphael seine Idee. Die ging auf wie Hefe: Mit 60 Hektolitern startete man, nun peilt Raphael 7.000 pro Jahr an. „Manchmal werden uns die Kästen fast aus den Händen gerissen.“ Trotz eines Preises von fast 3 Euro. Pro Liter, nicht Kasten!
Biermarkt-Profis hatten Raphael übrigens dringend von der Brauerei-Gründung abgeraten: „Die sagten, das klappt nie, kauf dir lieber ‘ne Jacht.“ Und was hätte Dittsche wohl dazu gesagt? „Brauerei gründen? Welt-Idee!“, vielleicht.
Ulrich Halasz
1.300 Brauereien kämpfen um den Durst
Der deutsche Biermarkt gilt als einer der vielschichtigsten auf der ganzen Welt. Insgesamt zählte der Deutsche Brauer-Bund 2009 rund 1.300 Braustätten zwischen Flensburg und Füssen.
Zusammen stießen diese nach aktuellen Zahlen des Statistischen Bundesamtes rund 100 Millionen Hektoliter Bier aus. Das waren knapp 3 Prozent weniger als im Jahr zuvor. Der meiste Gerstensaft wurde im vergangenen Jahr in Nordrhein-Westfalen verkauft (24 Prozent), am zweitdurstigsten waren die Bayern (22 Prozent).
Am liebsten ließen die Deutschen untergäriges Pils durch die Kehle rinnen (Marktanteil rund 55 Prozent), gefolgt von Export (10 Prozent) und Weizen (8 Prozent).
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