09. May 2008
 

Umwelt

Energiesparen? Machen wir!

Chemie-Firmen setzen auf hoch effiziente Kraftwerke.

Jede Kilowattstunde zählt: Denn Energie ist teuer.

Ohne Energie läuft nichts in der Chemie-Industrie. Auf das Konto der Branche gehen 10 Prozent des gesamten Stromverbrauchs in Deutschland. Das kostet schlappe 4 Milliarden Euro jährlich. Klar, dass die Firmen da sparen.

Ohne Energie läuft in der chemischen Industrie  nichts: Auf das Konto dieser Branche gehen 10 Prozent des gesamten Stromverbrauchs in Deutschland! Das kostet jährlich schlappe 4 Milliarden Euro. Klar, dass die Betriebe Energie sparen, wo es nur geht.

Einige produzieren Strom und Wärme einfach selbst. Wie Rhodia Acetow in Freiburg. Das Unternehmen stellt unter anderem ein Vorprodukt für Zigarettenfilter (Celluloseacetat-Kabel) her. Auf seinem Gelände steht ein modernes „Wärmeverbund“-Kraftwerk, das Rhodia Acetow mit dem Energieversorger Badenova betreibt. Das macht aus Erdgas Strom und nutzt auch die Abwärme (Kraft-Wärme-Kopplung).

Strom für viele Haushalte in Freiburg

So verringert es den Ausstoß des klimaschädlichen Kohlendioxid (CO2) um 290.000 Tonnen  pro  Jahr.  „Das entspricht in etwa den Emissionen von 22.000 Haushalten“, weiß Torsten Jung, Leiter des Kraftwerks.

„Wir decken damit den gesamten Energiebedarf des Industrieparks“, erklärt Jung. „Wir versorgen dazu 40 Prozent der Freiburger Haushalte und Betriebe mit Strom.“

Würde die Firma Strom vom freien Markt beziehen und die nötige Wärme extra erzeugen, bräuchte sie 30 Prozent mehr Energie. Die Kostenersparnis trägt zur Sicherung des Standorts mit seinen rund
850 Arbeitsplätzen bei.

Etwas ähnliches hat sich die Unternehmensgruppe Freudenberg ausgedacht, die unter anderem Dichtungen und Vliesstoffe produziert. Am Hauptsitz in Weinheim betreibt sie ein „Kraft-Wärme-Kälte-Kopplungs“-Kraftwerk, das den ganzen Industriepark versorgt – 40 Firmen mit 6.300 Mitarbeitern.

Energie wird optimal genutzt

Das eingesetzte Erdgas kann zu 86 Prozent in Strom, Wärme, Kälte und Druckluft umgewandelt werden – damit ist der „Nutzungsgrad“ dieses Kraftwerks ebenfalls sehr hoch. Helmut Mayer, Leiter Energie, vergleicht: „Ein hoch modernes Kohlekraftwerk ohne Fernwärme-Auskopplung kommt maximal auf einen Nutzungsgrad von 45 Prozent.“ Freudenberg hat deshalb sein ursprüngliches Kohlekraftwerk in die moderne Anlage umgebaut. Und damit die CO2-Emissionen seit dem Jahr 1990 mehr als halbiert.

Insgesamt deckt die Chemie-Industrie ein Fünftel ihres Strombedarfs mit solchen Kraftwerken. Und ist damit auch unabhängiger von den Stromanbietern. Die verlangten Anfang 2008 im Schnitt 9 Prozent mehr für Elektrizität als im Jahr zuvor.

Barbara Auer

 

Info: Chemische Industrie als Vorreiter

Im internationalen Kyoto-Protokoll hat sich Deutschland verpflichtet, seine Emissionen an klimaschädlichem Kohlendioxid (CO2) bis 2012 um 21 Prozent gegenüber 1990 zu verringern. Die chemische Industrie hat das Ziel längst erreicht: Sie hat,auch dank der Modernisierung in Ostdeutschland, zwischen 1990 und 2005 ihren CO2-Ausstoß im Schnitt um fast 38 Prozent reduziert.

Veröffentlicht am: 3/14/2008

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Viele Chemiefirmen stellen Strom und Wärme lieber selbst her. Wie Rhodia Acetow in seinem modernen Kraftwerk in Freiburg.
Kontrollgang: Ein Mitarbeiter des RhodiaAcetow-Kraftwerks prüft eine der Anlagen. Fotos: Rhodia (3), Vario Images
Grafik: Strom abgekoppelt