10. May 2008
 

Arbeitskosten

Auf hohem Niveau

Im internationalen Vergleich rangiert die westdeutsche Chemie auf einem Spitzenplatz

Gerät jetzt ins Blickfeld: Der Preis der Arbeit ist im Standort-Wettbewerb wichtig. Foto: Vario Images

Die Beschäftigtenstunde der westdeutschen Chemie ist weltweit die Dritt-Teuerste. Die Chemieländer Italien, Großbritannien und USA haben da deutliche Vorteile.

Haben Sie in letzter Zeit einmal Handwerker beschäftigt? Dann wissen Sie: Eine Arbeitsstunde ist teuer hierzulande. Chemieunternehmen geht es da ganz genauso.

Aber anders als der Handwerker müssen die Unternehmen mit ihren Arbeitskosten nicht nur in Deutschland, sondern auch in Europa und weltweit im Wettbewerb bestehen. Und da gibt es eine Menge Firmen, die mit günstigeren Kosten ins Rennen gehen.

Ein Blick auf die Statistik lohnt also, gerade zu Beginn der Tarifverhandlungen: Wo steht die deutsche Chemie? Und wo die anderer Länder?

Einen Überblick verschafft da der Arbeitskosten-Vergleich des Bundesarbeitgeberverbands Chemie (BAVC) für die wichtigen Chemieländer. Er gibt den Stand von 2006 wieder. Neuere Zahlen, also die Werte für 2007, liegen derzeit noch nicht vor. Hier die Hauptergebnisse des Vergleichs:

Teure West-Chemie
Die Beschäftigtenstunde in der westdeutschen Chemieindustrie ist weltweit die Dritt-Teuerste. Sie kostete 2006 im Durchschnitt 41,67 Euro. Nur beim Spitzenreiter Belgien (44,88 Euro) sowie im für die Chemie eher unbedeutenden Schweden (41,80 Euro) zahlen die Arbeitgeber noch mehr.

Handikap verkleinert
In fast allen wichtigen Chemie-Ländern stiegen die Arbeitskosten von 2004 bis 2006 kräftiger an als hierzulande: in Spanien um 8,3 Prozent, in Frankreich um 6,9, in Italien um 6,7 und in Belgien um 5,8 Prozent. In Westdeutschland gab es nur ein Plus von 3,7 Prozent. Gut daran: In dieser Zeit schrumpfte der Kostennachteil für die West-Chemie.

Der Vorsprung bleibt
Nach wie vor aber haben wichtige Chemie-Länder deutlich geringere Arbeitskosten als die westdeutsche Chemie. In Italien zum Beispiel liegen sie um ein Fünftel niedriger als hierzulande, in Großbritannien um ein Viertel und in den USA um fast ein Drittel.

Günstige Ost-Chemie
Die Chemiefirmen in den neuen Bundesländern konnten ihre Wettbewerbsposition halten. Die Beschäftigtenstunde kostete hier 2006 im Durchschnitt 26,91 Euro, rund 5,9 Prozent mehr als zwei Jahre zuvor. Aber damit stehen die Ost-Firmen günstiger da als die Betriebe in Italien, Großbritannien und Amerika.

Auffällig ist der große Unterschied zwischen west- und ostdeutschen Arbeitskosten, der höher ist als der zwischen den reinen Tariflöhnen. Die Erklärung dafür: In den Preis der Beschäftigtenstunde fließen auch die Jahresleistung und die Altersvorsorge mit ein. Die Jahresleistung ist im Osten niedriger und die Altersvorsorge ist dort noch nicht so verbreitet. Zudem arbeiten die Beschäftigten im Osten 40 Stunden in der Woche, die im Westen nur 37,5 Stunden.

Osteuropa im Vorteil
Weiterhin aber gilt: Die Chemiefirmen in den EU-Staaten Osteuropas starten mit besonders klarem Kostenvorteil in den Wettbewerb. Zwar legte der Preis der Beschäftigtenstunde in Tschechien, Polen und der Slowakei um mehr als ein Fünftel zu. Aber immer noch treten die Betriebe dort mit nur 15 bis 26 Prozent der Kosten der westdeutschen Chemie an.

Bleibt die Frage: Zählt am Ende nicht die Produktivität? In der Chemie weniger: Neu errichtete Anlagen haben überall auf der Welt die gleiche Technik und mehr oder weniger die gleiche Produktivität, egal ob in West- oder Osteuropa oder in Asien. So zählen am Ende doch die Arbeitskosten.

Hans Joachim Wolter

Veröffentlicht am: 3/20/2008

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Pilotanlage in Schkopau: Noch hält die ostdeutsche Chemie ihre gute Wettbewerbsposition bei den Arbeitskosten. Foto: dpa
Chemie-Arbeitskosten