14. May 2008
 

Medizin

Damit die Kleinsten Luft bekommen

Gesund durch Kunststoffe: KET hat sich auf die Medizintechnik spezialisiert

Beatmungsmaske für Frühgeborene: Das Formteil aus Silikon ermöglicht es den Säuglingen, Luft zu bekommen. Bald wird es in Serie produziert. Fotos: Fricke (2), Werk

Verträgliche Implantate, die der Körper nicht mehr abstößt, dazu eine Atemmaske für Frühgeborene aus Silikon – KET in Radeberg arbeitet eng mit Medizinern und Biotechnologen zusammen.

Radeberg. Spritzen, Schläuche, Verbandmaterial – sicherlich sind Ihnen beim Arzt oder im Krankenhaus schon polymere Werkstoffe begegnet. In der Medizintechnik stehen sie an vorderster Front moderner Heilmethoden. Kunststoffe erleichtern Operationsmethoden, beschleunigen Heilungsprozesse und entlasten damit den Patienten.

Verträgliche Implantate

Die sächsische Firma KET Kunststoff- und Elasttechnik GmbH nutzt die Nähe zu Medizin- und Biotechnologie-Zentren in Dresden und Leipzig. Gemeinsam sind die Spezialisten aus Wissenschaft und Wirtschaft dem Geheimnis auf der Spur, die Oberfläche von Silikonen weiterzuentwickeln.

„Unser Ziel ist es, dass Implantate im Körper des Menschen nicht mehr abgestoßen werden“, so Geschäftsführer Günther Wenske.

Weil der menschliche Körper die künstlichen „Ersatzteile“ nicht immer akzeptiert, sollen die Implantate eine künstliche Haut zur Verbesserung der Biokompatibilität bekommen. „Wir funktionalisieren die Oberfläche“, sagt KET-Entwicklungsleiter Gunter Böttcher. Er spricht von „biokompatiblen“ Kunststoffsystemen.

 „Diese werden für Implantate, Gefäßprothesen und weitere biomedizinische Anwendungen genutzt.“
Bei Implantaten, Nägeln und Platten, mit denen Knochen fixiert werden, bis der Bruch wieder verheilt ist, haben Kunststoffe unbedingt Sinn.

Im Gegensatz zu anderen Werkstoffen stören sie nicht bei Kernspinaufnahmen. Das macht die Beurteilung des Heilungsprozesses erheblich leichter. Kunststoffe sind vielseitiger formbar und werden durch ihre „körperähnliche“ Wärmeleitfähigkeit nicht so sehr als Fremdkörper empfunden.

KET hat sich mit 54 Mitarbeitern vom klassischen Automobilzulieferer zu einem Spezialisten der Medizin- und Biotechnologie entwickelt.

Wer sich einen Eindruck von der Produktion verschaffen will, muss zuerst sterile Kleidung anziehen. Reinraumbedingungen sind erforderlich, um die strengen Hygieneauflagen zu erfüllen.

Entwicklungschef Gunter Böttcher nimmt regelmäßig Messungen im Reinraum vor, um die Zertifizierungskriterien zu garantieren.

Die Kundschaft verlangt das. Auch Entwicklungspartner wie die Universitätskinderklinik Leipzig, die bei KET in Radeberg die Neuentwicklung einer speziellen Atemmaske für früh- geborene Kinder angeregt hat.

Klinische Erprobung

Das Formteil aus Silikon erleichtert es den Säuglingen, Luft zu bekommen. Noch ist es in der klinischen Erprobung. „Wir sind optimistisch, dass wir es bald in Serie produzieren und dem Fachhandel anbieten können“, sagt Geschäftsführer Wenske. Die besondere Herausforderung: Die kleinen Beatmungsmasken mussten aus einem besonders hautfreundlichen Material hergestellt und sehr passgenau zu verwenden sein.

KET setzt auf die Medizintechnik. Seit kurzem gehört auch eine Ingenieurin für Biomedizintechnik zur vierköpfigen Entwicklungsabteilung.

Werner Fricke

 

Info: Kunststoff- und Elasttechnik GmbH

Das Unternehmen aus Radeberg bei Dresden (54 Mitarbeiter)  ist ein traditioneller  Anbieter von Gummi- und Silikonteilen. Die Produkte gehen in die Bio- und Medizintechnik,  an die Elektro- und Energiewirtschaft sowie an den Maschinen- und Apparatebau und die Automobilzulieferer.

Veröffentlicht am: 5/9/2008

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Alles sauber: Unter Reinraumbedingungen arbeitet die Spritzgießmaschine. Entwicklungschef Gunter Böttcher überprüft die Spritzeinheit.
Im Modell: Cornelia Seiferheld zeigt, wie die Beatmungsmaske angelegt werden muss.