Konjunktur
Reicht der neue Schub?
Erfreuliche Signale bedeuten noch keine Entwarnung
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Extrem-Beispiel Schiffbau: Ein Vierteljahr ohne einen einzigen neuen Auftrag. Foto: ddp |
Was schätzen Sie: Wie viele Aufträge gab es von Januar bis März für unsere Seeschiffswerften? Keinen! Ein extremes Beispiel, zugegeben. Doch die gesamte Metall- und Elektro-Industrie hatte im ersten Quartal ein Viertel weniger zu tun als letzten Sommer. Die Stammbelegschaften bleiben trotzdem noch an Bord – Kurzarbeit rettet bisher rund 400.000 Jobs.
Hamburg/Nürnberg. Was schätzen Sie: Wie viele Aufträge gab es von Januar bis März für unsere Seeschiffswerften? Nicht einen! Schlimmer noch: Wie jetzt der Verband für Schiffbau und Meerestechnik mitteilt, wurden 19 Aufträge storniert.
Ein extremes Beispiel – zugegeben. Die gesamte Metall- und Elektro-Industrie, zu der auch die Werften gehören, hatte im ersten Quartal ein Viertel weniger zu tun als letzten Sommer. Aber: Selbst der Schiffbau-Verband erwartet nur „gegebenenfalls“ den Abbau von Arbeitsplätzen.
Arbeitsmarkt reagiert verzögert
Die Betriebe arbeiten Alt-Aufträge ab – und warten auf bessere Zeiten. Immerhin scheint der brutale Absturz der Wirtschaft beendet. Im Mai zeigten wichtige Indikatoren etwas neuen Schub an:
- Der „Einkaufsmanager-Index“ der Marktforschungsfirma Markit stieg überraschend stark an.
- Der „Geschäftsklima-Index“ des Ifo-Instituts legte ebenfalls erneut zu.
- Die vom Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) abgefragten Konjunktur-Erwartungen der Finanzexperten erreichten den besten Wert seit 2006.
Was heißt das für die Jobs? Noch keine Entwarnung. Ifo-Chef Professor Hans-Werner Sinn stellt nur fest: „Industriefirmen wollen die Beschäftigung weniger stark reduzieren als bisher geplant.“ Und ZEW-Präsident Professor Wolfgang Franz fürchtet: „Am Arbeitsmarkt steht uns das Schlimmste wohl noch bevor.“ Der Grund für die Skepsis: Das Auf und Ab der Konjunktur schlägt sich erfahrungsgemäß erst mit Zeitverzug in der Job-Statistik nieder.
Bisher werden die Stammbelegschaften vor allem durch die flächendeckend an-gemeldete Kurzarbeit gehalten. Dieses Instrument rette aktuell rund 400.000 Vollzeit-Stellen, erklärt Sabine Klinger vom IAB, dem Forschungsinstitut der Bundesagentur für Arbeit. „Die Unternehmen sind sehr stark daran interessiert, ihr Personal zu halten – das langfristige Problem Fachkräfte-Mangel ist in den Köpfen angekommen.“
Auf dem Papier ist Kurzarbeit für die Betriebe jetzt so günstig wie noch nie: Die Arbeitsagentur übernimmt ab dem siebten Monat alle Sozialbeiträge.
„Das ist ein wichtiger Schritt, um die Beschäftigten auch bei schlechter Auftragslage zu halten“, lobt Arbeitgeberpräsident Dieter Hundt.
Betriebe im Ausnahme-Zustand
Aus manchen Firmen ist allerdings zu hören: 24 Monate Kurzarbeit sind zwar jetzt erlaubt – doch in der betrieblichen Praxis sei ein solcher „Ausnahmezustand“ nur begrenzt durchzuhalten.
Hof
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